Die Kunst­in­stal­la­ti­on nach dem Gebäu­de­um­bau

Es besteht kei­nen Anspruch einer Künst­le­rin auf Erhalt bzw. Wie­der­her­stel­lung der Licht­in­stal­la­ti­on „PHa­ra­di­se“ und der Raum­in­stal­la­ti­on „HHo­le (for Mann­heim)“.

Die Kunst­in­stal­la­ti­on nach dem Gebäu­de­um­bau

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Beru­fun­gen der inter­na­tio­nal täti­ge Künst­le­rin Natha­lie Braun Barends zurück­ge­wie­sen. Die Klä­ge­rin hat­te von der beklag­ten Stadt Mann­heim den Erhalt bzw. die Wie­der­her­stel­lung der Licht­in­stal­la­ti­on „PHa­ra­di­se“ und der Raum­in­stal­la­ti­on „HHo­le (for Mann­heim)“ ver­langt. Die Licht­in­stal­la­ti­on war im Dach- und Kup­pel­be­reich des Bil­ling-Baus der Kunst­hal­le Mann­heim errich­tet wor­den. Im Zuge der Sanie­rung des Bil­ling-Baus im Jahr 2010 ließ die beklag­te Stadt die Licht­in­stal­la­ti­on abbau­en und seit­her nicht wie­der auf­bau­en. Die Instal­la­ti­on „HHo­le (for Mann­heim)“ erstreck­te sich über alle sie­ben Raum­ebe­nen des Athe­ne-Trak­tes der Kunst­hal­le Mann­heim. Nach der Pla­nung der Stadt, die hin­sicht­lich der Geschoss­de­cken inzwi­schen umge­setzt ist, soll der Athe­ne-Trakt der Kunst­hal­le zukünf­tig kei­ne Zwi­schen­de­cken mehr auf­wei­sen, wes­halb die Instal­la­ti­on „HHo­le (for Mann­heim)“ nicht zu erhal­ten ist. Die Klä­ge­rin beruft sich zur Abwehr der Zer­stö­rung der bei­den Kunst­wer­ke auf ihr Urhe­ber­recht als Künst­le­rin und auf ver­trag­li­che Ver­ein­ba­run­gen.

Nach­dem das Land­ge­richt Mann­heim in dem die Licht­in­stal­la­ti­on „PHa­ra­di­se“ betref­fen­den Ver­fah­ren die Kla­ge abge­wie­sen und im Fall der Raum­in­stal­la­ti­on „HHo­le (for Mann­heim)“ teil­wei­se den gel­tend gemach­ten Ver­gü­tungs­an­spruch zuge­spro­chen und im Übri­gen die Kla­ge abge­wie­sen hat­te, hat die Künst­le­rin jeweils Beru­fung ein­ge­legt.

In sei­ner Ent­schei­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he aus­ge­führt, dass bei­de Wer­ke nach dem Urhe­ber­rechts­ge­setz geschützt sind und dadurch gekenn­zeich­net sind, dass sie mit den jewei­li­gen Bau­wer­ken ver­bun­den sind. Unter Abwä­gung der Inter­es­sen der beklag­ten Stadt Mann­heim als Eigen­tü­me­rin des Gebäu­des an einem Umbau und einer ander­wei­ti­gen Nut­zung und dem Inter­es­se der Künst­le­rin an einer Fort­exis­tenz des von ihr geschaf­fe­nen Kunst­werks tre­ten im Fall der voll­stän­di­gen Zer­stö­rung oder Ent­fer­nung des Kunst­werks die Inter­es­sen der Klä­ge­rin als Urhe­be­rin zurück. Anders als bei Gemäl­den oder Skulp­tu­ren, wel­che ohne Ver­fäl­schung ihres künst­le­ri­schen Aus­drucks­ge­halt auch ande­ren­orts prä­sen­tiert wer­den kön­nen, kann der Urhe­ber eines mit dem jewei­li­gen Bau­werk ver­bun­de­nen Kunst­werks grund­sätz­lich nicht erwar­ten, dass der Eigen­tü­mer mit dem Erwerb des Kunst­werks die Ver­pflich­tung ein­ge­hen will, die­ses für die Dau­er des Urhe­ber­rechts­schut­zes – also bis 70 Jah­re nach dem Tod des Werk­schöp­fers – unter Inkauf­nah­me einer weit­ge­hen­den bau­li­chen Ver­än­de­rungs­sper­re auf sei­nem Grund­stück zu erhal­ten. Auch der Umstand, dass die Kunst­wer­ke in einem Kunst­mu­se­um errich­tet wur­den, begrün­det kei­ne ande­re Ent­schei­dung. Die Beklag­te ist auch nicht ver­pflich­tet gewe­sen, die Pla­nung der Neu­ge­stal­tung des Gebäu­des an den Inter­es­sen der Klä­ge­rin aus­zu­rich­ten.

Die von der Klä­ge­rin gel­tend gemach­ten Umstän­de für eine abwei­chen­de Inter­es­sen­ab­wä­gung hat das Ober­lan­des­ge­richt nicht durch­grei­fen las­sen. Auch ein ver­trag­li­cher Anspruch auf den Erhalt oder auf die Wie­der­errich­tung der Kunst­wer­ke besteht nicht. Ein sol­cher Anspruch ergibt sich weder aus der Bezeich­nung als „per­ma­nen­te Instal­la­ti­on“, noch – im Fall der Raum­in­stal­la­ti­on „HHo­le (for Mann­heim)“ – aus der Ver­wen­dung des Zei­chens „∞“ u.a. für die „Leih­frist“ im Leih­schein und den wei­te­ren Beson­der­hei­ten der Wer­ke. Die­se Umstän­de recht­fer­ti­gen nicht die Annah­me, die Stadt habe eine ver­trag­li­che Pflicht für den Erhalt der Wer­ke für die Dau­er der Gel­tung des Urhe­ber­rechts­schut­zes über­nom­men.

Da die Ent­fer­nung der Wer­ke recht­mä­ßig ist, steht der Klä­ge­rin auch kein Anspruch auf eine spä­te­re Instal­la­ti­on in geän­der­ter Umge­bung oder auf Scha­dens­er­satz zu. Abwei­chend vom Land­ge­richt nimmt das Ober­lan­des­ge­richt in dem das Kunst­werk „HHo­le for Mann­heim“ betref­fen­den Ver­fah­ren an, dass der Klä­ge­rin im Zeit­punkt der Kla­ge­er­he­bung im Jahr 2014 der gel­tend gemach­te Ver­gü­tungs­an­spruch nicht zustand. Aus die­sem Grund hat das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he das Urteil des Land­ge­richts inso­weit abge­än­dert und die Kla­ge ins­ge­samt abge­wie­sen.

Das Ober­lan­des­ge­richt hat die Revi­si­on nicht zuge­las­sen.

Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Urtei­le vom 26. April 2017 – 6 U 207/​15 und 6 U 92/​15