Die fehlende bauaufsichtliche Zulassung — und der Schadensersatz für den Konkurrenten

Ein Schadenser­satzanspruch nach §§ 1, 3, 13 Abs. 6 UWG aF set­zte auch dann ein Han­deln zu Wet­tbe­werb­szweck­en voraus, wenn die Pflichtver­let­zung in der Liefer­ung eines Baupro­duk­ts bestand, das der dafür beste­hen­den all­ge­meinen bauauf­sichtlichen Zulas­sung nicht entsprach.

Die fehlende bauaufsichtliche Zulassung — und  der Schadensersatz für den Konkurrenten

Für die Fest­stel­lung der Schadenser­satzpflicht kommt es allein auf das zur Zeit der bean­stande­ten Hand­lung gel­tende Recht an1. Da im hier entsch­iede­nen Fall das bean­standete Ver­hal­ten in das Jahr 2003 fällt, sind auss­chließlich die zu dieser Zeit maßge­blichen wet­tbe­werb­srechtlichen Vorschriften ein­schlägig (UWG aF).

Die im hier vom Bun­des­gericht­shof entsch­iede­nen Fall in Rede ste­hende Vorschrift des § 25 Abs. 1 der Bauord­nung für das Land Nor­drhein-West­falen (BauO NRW) stellt eine wet­tbe­werb­s­be­zo­gene Regelung im Sinne der Recht­sprechung des Bun­des­gericht­shofs zu § 1 UWG aF dar2.

Die Bes­tim­mungen der §§ 1 und 3 UWG aF set­zen ein Han­deln zu Zweck­en des Wet­tbe­werbs voraus. Daran hat sich auch durch das UWG 2004 nichts geän­dert. Eine Wet­tbe­werb­shand­lung im Sinne von § 2 Abs. 1 Nr. 1 UWG 2004 erfordert eben­falls die Absicht, eige­nen oder frem­den Wet­tbe­werb zu fördern3. Erst durch das UWG 2008 ist der Begriff der Wet­tbe­werb­shand­lung durch den der geschäftlichen Hand­lung im Sinne von § 2 Abs. 1 Nr. 1 UWG 2008 erset­zt wor­den4.

Nach §§ 1, 3 UWG aF, auf die es vor­liegend allein ankommt, war die Ver­let­zung ver­traglich­er Pflicht­en ein­schließlich der Nicht- oder Schlechter­fül­lung bei Abwick­lung eines Ver­tragsver­hält­niss­es grund­sät­zlich kein wet­tbe­werb­srechtlich rel­e­vantes Ver­hal­ten5. Eine Aus­nahme war anerkan­nt, wenn ein Unternehmer die Irreführung sein­er Kun­den oder ein son­stiges ver­tragswidriges Ver­hal­ten zu Mit­teln seines Wet­tbe­werbs machte6. Das­selbe galt, wenn das ver­tragswidrige Ver­hal­ten auf eine Neube­grün­dung oder Erweiterung von Ver­tragspflicht­en des Kun­den gerichtet war7. Diese Grund­sätze sind eben­falls maßge­blich, wenn — wie vor­liegend — ein Anspruch aus §§ 1, 3 UWG in Verbindung mit § 25 Abs. 1 BauO NRW in Rede ste­ht. Gegen­teiliges fol­gt auch nicht aus der “Beton­stahl”, Entschei­dung des Bun­des­gericht­shofs8. In jen­er Fal­lkon­stel­la­tion war ein Han­deln zu Zweck­en des Wet­tbe­werbs nicht zweifel­haft und von den Parteien und dem Bun­des­gericht­shof deshalb nicht weit­er prob­lema­tisiert wor­den.

Bun­des­gericht­shof, Ver­sä, umnisurteil vom 27. Novem­ber 2014 — I ZR 67/11

  1. st. Rspr.; vgl. BGH, Urteil vom 21.07.2011 — I ZR 192/09, GRUR 2012, 402 Rn. 11 = WRP 2012, 450 Trep­pen­lift; Urteil vom 12.07.2012 — I ZR 54/11, GRUR 2013, 301 Rn. 17 = WRP 2013, 491 Solar­ini­tia­tive []
  2. vgl. BGH, Urteil vom 20.10.2005 — I ZR 10/03, GRUR 2006, 82 Rn. 22 = WRP 2006, 79 Beton­stahl []
  3. BGH, GRUR 2013, 301 Rn.20 — Solar­ini­tia­tive []
  4. zur Ausle­gung der geschäftlichen Hand­lung insoweit BGH, Urteil vom 10.01.2013 — I ZR 190/11, GRUR 2013, 945 Rn. 17 ff. = WRP 2013, 1183 — Stan­dar­d­isierte Man­dats­bear­beitung []
  5. vgl. BGH, Urteil vom 27.06.2002 — I ZR 86/00, GRUR 2002, 1093, 1094 = WRP 2003, 975 Kon­to­stand­sauskun­ft; Urteil vom 11.01.2007 — I ZR 87/04, GRUR 2007, 805 Rn. 13 f. = WRP 2007, 1085 Irreführen­der Kon­toauszug; Urteil vom 29.03.2007 — I ZR 164/04, GRUR 2007, 987 Rn. 24 = WRP 2007, 1341 Änderung der Vor­e­in­stel­lung I []
  6. BGH, GRUR 2002, 1093, 1094 — Kon­to­stand­sauskun­ft; GRUR 2007, 987 Rn. 36 — Änderung der Vor­e­in­stel­lung I, jew­eils mwN []
  7. vgl. BGH, Urteil vom 05.02.2009 — I ZR 119/06, GRUR 2009, 876 Rn. 14 = WRP 2009, 1086 — Änderung der Vor­e­in­stel­lung II, mwN []
  8. BGH, GRUR 2006, 82 []