Wenn zum Teil Schwarz­geld fliesst…

Auch wenn nur eine teil­wei­se Schwarz­geld­ab­re­de vor­liegt, ist der geschlos­se­ne Werk­ver­trag ins­ge­samt nich­tig, was dazu führt, dass der Hand­wer­ker kei­nen wei­te­ren Zah­lungs­an­spruch hat und auch kei­nen Wert­er­satz für die von ihm erbrach­ten Bau­leis­tun­gen ver­lan­gen kann.

Wenn zum Teil Schwarz­geld fliesst…

Mit die­ser Begrün­dung hat das Schles­wig-Hol­stei­ni­sche Ober­lan­des­ge­richt in dem hier vor­lie­gen­den Fall der Kla­ge einer Fir­ma kei­nen Erfolg beschie­den, die vom Auf­trag­ge­ber, mit dem eine Schwarz­geld­ab­re­de bestand, nach Abschluss der Arbei­ten noch rest­li­chen Lohn ver­lang­te. Die kla­gen­de Fir­ma führ­te in vier neu errich­te­ten Rei­hen­häu­sern in Büdels­dorf Elek­tro­in­stal­la­ti­ons­ar­bei­ten durch. Die Fir­ma hat­te mit den Eigen­tü­mern der Rei­hen­häu­ser ver­ein­bart, dass für die Arbei­ten ein Betrag von 13.800 Euro auf Rech­nung und dane­ben 5.000 Euro ohne Rech­nung gezahlt wer­den. Die Eigen­tü­mer über­wie­sen an die Klä­ge­rin rund 10.000 Euro und zahl­ten in bar 2.300 Euro. Die Elek­tro­in­stal­la­ti­ons­fir­ma ver­lang­te nach Abschluss der Arbei­ten rest­li­chen Lohn in Höhe von rund 6.000 Euro und ver­klag­te die Eigen­tü­mer vor Gericht. Die­se wie­der­um mach­ten Scha­dens­er­satz wegen Män­gel der Arbei­ten gel­tend.

Mit dem Urteil knüpft das Schles­wig-Hol­stei­ni­sche Ober­lan­des­ge­richt an die Ent­schei­dung vom 21. Dezem­ber 2012 – Schwarz­geld­ab­re­de I – an, die vom Bun­des­ge­richts­hof bestä­tigt wor­den ist, und hat die­se wei­ter ent­wi­ckelt: Nach Auf­fas­sung des Schles­wig-Hol­stei­ni­schen Ober­lan­des­ge­richt ist – auch wenn nur eine teil­wei­se Schwarz­geld­ab­re­de vor­liegt – der gesam­te Werk­ver­trag nich­tig, was dazu führt, dass die kla­gen­de Fir­ma kei­nen wei­te­ren Zah­lungs­an­spruch hat und die beklag­ten Eigen­tü­mer kei­nen Scha­dens­er­satz wegen Män­gel der Arbei­ten ver­lan­gen kön­nen. Die Par­tei­en haben gegen die Vor­schrif­ten des Geset­zes zur Bekämp­fung der Schwarz­ar­beit und ille­ga­len Beschäf­ti­gung ver­sto­ßen (Schwarz­ArbG), indem sie ver­ein­bart haben, dass die Werk­leis­tung teil­wei­se ohne Rech­nung erbracht wird, damit der ent­spre­chen­de Umsatz den Steu­er­be­hör­den ver­heim­licht wer­den kann. Dem Zweck des Geset­zes, die Bekämp­fung von Schwarz­ar­beit zu inten­si­vie­ren, ist am bes­ten gedient, wenn ein Ver­stoß gegen die Erschei­nungs­for­men der Schwarz­ar­beit zu der Gesamt­nich­tig­keit des Ver­tra­ges führt. Eine Teil­nich­tig­keit nur der Ver­ein­ba­rung, kei­ne Rech­nung für einen Teil der Arbei­ten zu stel­len, wür­de nicht die not­wen­di­ge Abschre­ckungs­wir­kung ent­fal­ten.

Die kla­gen­de Fir­ma kann von den beklag­ten Eigen­tü­mern auch kei­nen Wert­er­satz für die bereits erbrach­ten Leis­tun­gen unter dem Gesichts­punkt der “unge­recht­fer­tig­ten Berei­che­rung” ver­lan­gen. Ein Berei­che­rungs­an­spruch ist aus­ge­schlos­sen, wenn der Leis­tungs­er­brin­ger durch die Leis­tung gegen das Gesetz ver­sto­ßen hat. “Die Zubil­li­gung eines Berei­che­rungs­an­spru­ches wür­de der Miss­bil­li­gung der Schwarz­ar­beit, die der Gesetz­ge­ber durch die ver­schie­de­nen Tat­be­stän­de im Schwarz­ar­beits­be­kämp­fungs­ge­setz zum Aus­druck gebracht hat, wider­spre­chen. Sie wür­de der Schwarz­ar­beit einen Teil ihres Risi­kos neh­men, indem der Anbie­ter trotz des Geset­zes­ver­sto­ßes die Hil­fe staat­li­cher Gerich­te in Anspruch neh­men könn­te, um eine Gegen­leis­tung durch­zu­set­zen. Der Abschre­ckungs­ef­fekt wür­de so mini­miert. Der mög­li­che Vor­teil des Auf­trag­ge­bers, der die Vor­leis­tun­gen des Hand­wer­kers behal­ten kann, ist kein aus­rei­chen­der Grund, um die Sank­tio­nie­rung des Geset­zes­ver­sto­ßes auf­zu­he­ben.”

Schles­wig-Hol­stei­ni­sches Ober­lan­des­ge­richt, Urteil vom 16. August 2013 – 1 U 24/​13, Schwarz­geld­ab­re­de II

Wenn zum Teil Schwarzgeld fliesst…