Prüfungsangst in der Meisterprüfung

Gesundheitliche Gründe können, da sie personenbezogen sind, durchaus einen Ausnahmegrund für die Erteilung einer Ausnahmebewilligung nach § 8 HwO zur Eintragung in die Handwerksrolle darstellen, wenn sie den Bewerber an der Ablegung der Prüfung hindern. Bloße Prüfungsangst wird dabei allerdings grundsätzlich als nicht ausreichend angesehen.

Prüfungsangst in der Meisterprüfung

In der Meisterprüfung, die ihrerseits den Zugang zu dem Beruf eines selbständigen Handwerkers eröffnet, sollen die erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten für diesen Beruf nachgewiesen werden. Sie erfordert im Zeitpunkt der einzelnen Teilprüfungen eine besondere persönliche und fachliche Leistung und ist für die Kandidaten naturgemäß mit einer hohen Herausforderung verbunden. Die in dieser Situation geforderte Leistungsfähigkeit setzt grundsätzlich auch die persönliche Fähigkeit voraus, den in der Prüfungssituation gegebenen psychischen Belastungen zumindest soweit gewachsen zu sein, dass die gestellten fachlichen Anforderungen erfüllt werden können. Diese persönliche Leistungsfähigkeit ist gerade auch eine Voraussetzung für den Prüfungserfolg. Dementsprechend gehören nach der zum Prüfungsrecht entwickelten Rechtsprechung Prüfungsstress und Examensängste, die zumeist in den spezifischen Belastungen der Prüfungen wurzeln und denen jeder Kandidat je nach Konstitution mehr oder weniger ausgesetzt ist, im Allgemeinen zum Risikobereich des Prüflings1.

Ein derartiges – im Sinne des § 8 HwO nicht als Ausnahmefall geltendes – Leistungsdefizit liegt in der Person des eines Prüflings vor, dessen Befürchtungen und Beeinträchtigungen allein daran anknüpfen, dass er sich der Prüfungssituation aus psychischen Gründen nicht gewachsen sieht. Die Beeinträchtigung ist in einem solchen Fall spezifisch situationsgebunden und an eine bevorstehende oder imaginierte Prüfung geknüpft. Entsprechend ist das Leistungsvermögen des Prüflings aus Gründen beeinträchtigt, die in seinen Risikobereich fallen und keinen Ausnahmefall rechtfertigen.

Verwaltungsgericht Köln, Urteil vom 22. November 2012 – 1 K 3632/12

  1. OVG NRW, Beschluss vom 16.02.2004 – 14 A 3057/03 []