Prü­fungs­angst in der Meis­ter­prü­fung

Gesund­heit­li­che Grün­de kön­nen, da sie per­so­nen­be­zo­gen sind, durch­aus einen Aus­nah­me­grund für die Ertei­lung einer Aus­nah­me­be­wil­li­gung nach § 8 HwO zur Ein­tra­gung in die Hand­werks­rol­le dar­stel­len, wenn sie den Bewer­ber an der Able­gung der Prü­fung hin­dern. Blo­ße Prü­fungs­angst wird dabei aller­dings grund­sätz­lich als nicht aus­rei­chend ange­se­hen.

Prü­fungs­angst in der Meis­ter­prü­fung

In der Meis­ter­prü­fung, die ihrer­seits den Zugang zu dem Beruf eines selb­stän­di­gen Hand­wer­kers eröff­net, sol­len die erfor­der­li­chen Kennt­nis­se und Fähig­kei­ten für die­sen Beruf nach­ge­wie­sen wer­den. Sie erfor­dert im Zeit­punkt der ein­zel­nen Teil­prü­fun­gen eine beson­de­re per­sön­li­che und fach­li­che Leis­tung und ist für die Kan­di­da­ten natur­ge­mäß mit einer hohen Her­aus­for­de­rung ver­bun­den. Die in die­ser Situa­ti­on gefor­der­te Leis­tungs­fä­hig­keit setzt grund­sätz­lich auch die per­sön­li­che Fähig­keit vor­aus, den in der Prü­fungs­si­tua­ti­on gege­be­nen psy­chi­schen Belas­tun­gen zumin­dest soweit gewach­sen zu sein, dass die gestell­ten fach­li­chen Anfor­de­run­gen erfüllt wer­den kön­nen. Die­se per­sön­li­che Leis­tungs­fä­hig­keit ist gera­de auch eine Vor­aus­set­zung für den Prü­fungs­er­folg. Dem­entspre­chend gehö­ren nach der zum Prü­fungs­recht ent­wi­ckel­ten Recht­spre­chung Prü­fungs­stress und Examens­ängs­te, die zumeist in den spe­zi­fi­schen Belas­tun­gen der Prü­fun­gen wur­zeln und denen jeder Kan­di­dat je nach Kon­sti­tu­ti­on mehr oder weni­ger aus­ge­setzt ist, im All­ge­mei­nen zum Risi­ko­be­reich des Prüf­lings [1].

Ein der­ar­ti­ges – im Sin­ne des § 8 HwO nicht als Aus­nah­me­fall gel­ten­des – Leis­tungs­de­fi­zit liegt in der Per­son des eines Prüf­lings vor, des­sen Befürch­tun­gen und Beein­träch­ti­gun­gen allein dar­an anknüp­fen, dass er sich der Prü­fungs­si­tua­ti­on aus psy­chi­schen Grün­den nicht gewach­sen sieht. Die Beein­träch­ti­gung ist in einem sol­chen Fall spe­zi­fisch situa­ti­ons­ge­bun­den und an eine bevor­ste­hen­de oder ima­gi­nier­te Prü­fung geknüpft. Ent­spre­chend ist das Leis­tungs­ver­mö­gen des Prüf­lings aus Grün­den beein­träch­tigt, die in sei­nen Risi­ko­be­reich fal­len und kei­nen Aus­nah­me­fall recht­fer­ti­gen.

Ver­wal­tungs­ge­richt Köln, Urteil vom 22. Novem­ber 2012 – 1 K 3632/​12

  1. OVG NRW, Beschluss vom 16.02.2004 – 14 A 3057/​03[]