Maler- und Lackie­rer­hand­werk – und die Ein­tra­gungs­pflicht in die Handwerksrolle

Die Ein­tra­gungs­pflicht für das Maler- und Lackie­rer­hand­werk ist nach Ansicht de Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts rech­tens. Die Hand­werks­ord­nung ist mit dem Grund­ge­setz und dem Recht der Euro­päi­schen Uni­on ver­ein­bar, soweit sie die selbst­stän­di­ge Aus­übung bestimm­ter Tätig­kei­ten aus dem Bereich des Maler- und Lackie­rer­hand­werks im ste­hen­den Gewer­be im Regel­fall vom Bestehen einer Meis­ter­prü­fung oder einer ihr gleich gestell­ten Prü­fung oder vom Nach­weis einer sechs­jäh­ri­gen qua­li­fi­zier­ten Berufs­er­fah­rung nach Able­gen der Gesel­len­prü­fung (“Alt­ge­sel­len­re­ge­lung”) abhän­gig macht.

Maler- und Lackie­rer­hand­werk – und die Ein­tra­gungs­pflicht in die Handwerksrolle

In dem hier vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Fall hat­te der Klä­ger, der nach Able­gen der Gesel­len­prü­fung im Maler- und Lackie­rer­hand­werk meh­re­re Jah­re lang als Gesel­le tätig war, auf Fest­stel­lung geklagt, dass er berech­tigt sei, ver­schie­de­ne Tätig­kei­ten aus dem Bereich des Maler- und Lackie­rer­hand­werks ohne Ein­tra­gung in die Hand­werks­rol­le selbst­stän­dig im ste­hen­den Gewer­be auszuüben.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Neu­stadt an der Wein­sta­ße wies die Kla­ge ab, das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz in Koblenz wies die Beru­fung des Klä­gers zurück. Und auch die Revi­si­on des Klä­gers blieb nun vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ohne Erfolg:

Die von dem Klä­ger beab­sich­tig­te Berufs­aus­übung setzt eine Ein­tra­gung in die Hand­werks­rol­le vor­aus, weil mit dem Strei­chen und Ver­put­zen von Fas­sa­den sowie dem Lackie­ren und Lasie­ren von Türen und Fens­tern Tätig­kei­ten aus­ge­übt wer­den sol­len, die für das Maler- und Lackie­rer­hand­werk wesent­lich sind, befand das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt. Dass die Ein­tra­gung als Betriebs­in­ha­ber oder Betriebs­lei­ter auch nach der Neu­re­ge­lung der Hand­werks­ord­nung und der Abkehr vom stren­gen “Meis­ter­zwang” nicht nur das Bestehen der Gesel­len­prü­fung vor­aus­setzt, son­dern ent­we­der einen Meis­ter­brief oder ein gleich­wer­ti­ges Zeug­nis (Gro­ßer Befä­hi­gungs­nach­weis) oder eine sechs­jäh­ri­ge Berufs­er­fah­rung als “Alt­ge­sel­le” mit min­des­tens vier­jäh­ri­ger Lei­tungs­funk­ti­on ver­langt, ver­letzt nicht die Berufs­frei­heit des Betrof­fe­nen. Die gesetz­li­che Rege­lung dient dazu, Drit­te vor den Gefah­ren zu schüt­zen, die mit der Aus­übung des Maler- und Lackie­rer­hand­werks ver­bun­den sind, und ist dazu geeig­net und erfor­der­lich; ob sie auch unter dem Gesichts­punkt der Siche­rung der hohen Aus­bil­dungs­leis­tung des Hand­werks gerecht­fer­tigt sein kann, hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt offen gelas­sen. Die Beschrän­kung des Berufs­zu­gangs führt auch nicht zu einer unan­ge­mes­se­nen Belas­tung des Betrof­fe­nen. Mit der berufs­prak­ti­schen Qua­li­fi­zie­rung als “Alt­ge­sel­le” eröff­net sie einen Berufs­zu­gang, der im Ver­gleich zur Meis­ter­prü­fung regel­mä­ßig weni­ger belas­tend ist und im Wesent­li­chen den Anfor­de­run­gen ent­spricht, die im EU-Aus­land aus­ge­bil­de­te Hand­wer­ker bei einer Nie­der­las­sung im Inland erfül­len müs­sen. Durch die Auf­nah­me der Alt­ge­sel­len­re­ge­lung in die Hand­werks­ord­nung wird deut­schen Hand­wer­kern ein ver­gleich­bar ein­fa­cher Weg in das zulas­sungs­pflich­ti­ge Hand­werk eröff­net wie EU-Aus­län­dern, wes­halb auch kei­ne unzu­läs­si­ge Inlän­der­dis­kri­mi­nie­rung vorliegt.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 09. April 2014 – 8 C 50.12

Maler- und Lackiererhandwerk – und die Eintragungspflicht in die Handwerksrolle