Hessisches Schwarzarbeiter-Netzwerk

Die Ermit­tlungskom­mis­sion “Adria” des Zolls und die Staat­san­waltschaft Mar­burg haben in ein­er groß angelegten Durch­suchungsak­tion mit 300 Beamten von Zoll, Polizei und Bun­de­spolizei in Mit­tel­hessen und dem Rhein-Main-Gebi­et 24 Woh­nun­gen und Geschäft­sräume durch­sucht. Die Maß­nah­men richteten sich gegen eine mut­maßliche Bande aus dem Bere­ich der organ­isierten Krim­i­nal­ität im Baugewerbe.
Dabei wur­den drei Haft­be­fehle gegen die mut­maßlichen Drahtzieher eines Schwarzarbeit­er-Net­zw­erkes voll­streckt.

Hessisches Schwarzarbeiter-Netzwerk

Der Täter­grup­pierung wird die Bil­dung ein­er krim­inellen Vere­ini­gung vorge­wor­fen, die seit eini­gen Jahren als Nachunternehmer Bauaufträge in ganz Hes­sen mit Schwarzarbeit­ern und ille­galem Per­son­al aus­ge­führt hat und so den Sozialka­ssen und dem Fiskus Sozialver­sicherungs­beiträge und Steuern in Mil­lio­nen­höhe voren­thal­ten hat. Durch fin­gierte Zahlun­gen von mehreren Sche­in­fir­men ver­suchte die Bande, die Schwarzarbeit zu verdeck­en.
“Solche organ­isierten Struk­turen der Schwarzarbeit beschäfti­gen die Finanzkon­trolle Schwarzarbeit des Zolls zunehmend und stellen für die Ermit­tler eine beson­dere Her­aus­forderung dar”, sagte Michael Ben­der, Press­esprech­er des Haupt­zol­lamts Gießen.

Bere­its 2012 geri­et eine Bau­fir­ma aus dem Kreis Mar­burg-Biedenkopf in den Fokus der Finanzkon­trolle Schwarzarbeit des Haupt­zol­lamts Gießen, als bei ein­er Baustel­lenkon­trolle im Land­kreis Gießen auffiel, dass die Bauar­beit­er nicht zur Sozialver­sicherung angemeldet waren. Im Zuge der im Auf­trag der Staat­san­waltschaft Mar­burg durchge­führten Ermit­tlun­gen deck­ten die Schwarzarbeits­fah­n­der nicht nur die krim­inellen Machen­schaften mehrerer im Fam­i­lien­clan geführten Bau­fir­men auf, son­dern ent­larvten auch ein Net­zw­erk von min­destens sechs Sche­in­fir­men. Ins­ge­samt ste­ht die Bau­fir­ma im Ver­dacht, so in den let­zten drei Jahren annäh­ernd eine Mil­lion Euro an Sozial­ab­gaben und Lohn­s­teuer verkürzt zu haben.

Mit einem Geflecht von vor­getäuscht­en Nachunternehmen und unter Nutzung von Schein­rech­nun­gen ver­sucht­en die Ver­ant­wortlichen von ihren krim­inellen Machen­schaften abzu­lenken und Gewinne zu ver­schleiern”, so Michael Ben­der vom Haupt­zol­lamt Gießen.
Die Staat­san­waltschaft Mar­burg bün­delte die Ermit­tlun­gen schließlich bei der Finanzkon­trolle Schwarzarbeit des Haupt­zol­lamts Gießen in ein­er Son­derkom­mis­sion, um gegen die krim­inelle Bande vorzuge­hen.

Die mit Schein­rech­nun­gen gener­ierten Schwarzgelder zur Zahlung der Löhne für die Schwarzarbeit­er bez­if­fert die Staat­san­waltschaft Mar­burg auf fast sechs Mil­lio­nen Euro. Eben­so hoch ist der Schaden für die Sozialver­sicherun­gen.

Gegen die bei­den 34- und 44-jähri­gen ser­bis­chen Geschäfts­führer der Bau­fir­ma aus dem Kreis Mar­burg-Biedenkopf und gegen den mut­maßlichen Strip­pen­zieher der Sche­in­fir­men, einen 39-jähri­gen Ser­ben aus dem Rhein-Main-Gebi­et, lagen Haft­be­fehle vor, die die Ein­satzkräfte gemein­sam mit Spezialein­heit­en von Bun­des- und Lan­despolizei sowie der Zoll­fah­n­dung voll­streck­ten.

Zeit­gle­ich durch­sucht­en die Zöll­ner 24 Büroräume und Woh­nun­gen und stell­ten wichtige Beweis­mit­tel sich­er, darunter auch Com­put­er, Daten­träger und Mobil­tele­fone.
Darüber hin­aus wur­den zahlre­iche Per­so­n­en, die dem Täterkreis zuge­ord­net wer­den, einge­hend ver­nom­men. Ver­mö­gens­ab­schöpfer des Zolls stell­ten Bargeld in Höhe von rund 60.000 Euro und eine hochw­er­tige Lim­ou­sine sich­er. Des Weit­eren hat die Staat­san­waltschaft Mar­burg Pfän­dungs­beschlüsse in ein­er Höhe von ins­ge­samt zwei Mil­lio­nen Euro erlassen.