Hand­werk­li­che Neben­be­trie­be – und die erfor­der­li­che Meisterpräsenz

Nach § 2 Nr. 3 HwO gel­ten die Vor­schrif­ten der Hand­werks­ord­nung auch für hand­werk­li­che Neben­be­trie­be, die mit einem Unter­neh­men eines zulas­sungs­pflich­ti­gen Hand­werks, der Indus­trie, des Han­dels, der Land­wirt­schaft oder sons­ti­ger Wirt­schafts- und Berufs­zwei­ge ver­bun­den sind.

Hand­werk­li­che Neben­be­trie­be – und die erfor­der­li­che Meisterpräsenz

Ein hand­werk­li­cher Neben­be­trieb liegt nach § 3 Abs. 1 HwO vor, wenn in ihm Waren zum Absatz an Drit­te hand­werks­mä­ßig her­ge­stellt oder Leis­tun­gen für Drit­te hand­werks­mä­ßig bewirkt wer­den, es sei denn, dass eine sol­che Tätig­keit nur in uner­heb­li­chem Umfang aus­ge­übt wird, oder dass es sich um einen Hilfs­be­trieb han­delt. Nach § 3 Abs. 2 HwO ist eine Tätig­keit uner­heb­lich, wenn sie wäh­rend eines Jah­res die durch­schnitt­li­che Arbeits­zeit eines ohne Hilfs­kräf­te Voll­zeit arbei­ten­den Betriebs des betref­fen­den Hand­werks­zweigs nicht übersteigt.

Die Vor­schrift des § 3 Abs. 1 HwO defi­niert den hand­werk­li­chen Neben­be­trieb nicht abschlie­ßend. Aus einer Zusam­men­schau die­ser Vor­schrift mit § 2 Nr. 2 und 3 HwO ergibt sich, dass der hand­werk­li­che Neben­be­trieb immer mit einem ande­ren Unter­neh­men ver­bun­den sein muss. Dabei müs­sen die Inha­ber bei­der Betrie­be zumin­dest in wirt­schaft­li­cher Hin­sicht iden­tisch sein und die Betrie­be in einer bestimm­ten wirt­schaft­li­chen, orga­ni­sa­to­ri­schen und fach­li­chen Bezie­hung zuein­an­der ste­hen [1]. Kenn­zeich­nend für einen hand­werk­li­chen Neben­be­trieb ist, dass er mit einem ande­ren Betrieb, dem Haupt­be­trieb, ver­bun­den ist. Der zu for­dern­de wirt­schaft­li­che Zusam­men­hang zwi­schen Haupt- und Neben­be­trieb liegt vor, wenn der Neben­be­trieb den wirt­schaft­lich­un­ter­neh­me­ri­schen Zwe­cken des Haupt­un­ter­neh­mens dient und sei­ne Erzeug­nis­se oder Leis­tun­gen dazu bei­tra­gen, die Wirt­schaft­lich­keit und den Gewinn des Haupt­be­trie­bes zu stei­gern [2]. Fer­ner wird eine gewis­se Selb­stän­dig­keit vor­aus­ge­setzt [3]. Bei­spiels­wei­se kön­nen die für Drit­te bewirk­ten Leis­tun­gen einer Kfz-Repa­ra­tur­werk­statt die für das Vor­lie­gen eines hand­werk­li­chen Neben­be­trie­bes erfor­der­li­che fach­li­che Ver­bun­den­heit mit einer Tank­stel­le erfül­len, wenn die­se Leis­tun­gen vom wirt­schaft­li­chen Stand­punkt; und vom Inter­es­se der Kun­den her gese­hen eine sinn­vol­le Ergän­zung und Erwei­te­rung des Leis­tungs­an­ge­bots der Tank­stel­le dar­stel­len [4].

Ins­be­son­de­re steht der Umstand, dass der Hand­wer­ke im zwei­ten Betrieb iden­ti­sche Leis­tun­gen erbringt wie an sei­nem Unter­neh­mens­sitz, der Annah­me ent­ge­gen, er unter­hal­te dort einen zu sei­nem Unter­neh­mens­sitz gehö­ri­gen Nebenbetrieb.

Dabei kann offen blei­ben, ob es für die Annah­me eines Neben­be­triebs erfor­der­lich ist, dass eine räum­li­che Ver­bin­dung zum Haupt­be­trieb besteht [5]. In einem Neben­be­trieb wer­den jeden­falls nicht die­sel­ben Leis­tun­gen wie im Haupt­be­trieb erbracht, son­dern Tätig­kei­ten, die die Leis­tun­gen des Haupt­be­triebs sinn­voll ergän­zen und erwei­tern [6].

Die Annah­me eines Neben­be­trie­bes im Sin­ne von § 2 Nr. 3 und § 3 Abs. 2 HwO setzt jedoch eine wirt­schaft­li­che Ver­bun­den­heit zwi­schen Haupt- und Neben­be­trieb vor­aus, die dar­in besteht, dass der Neben­be­trieb den wirt­schaft­lich­un­ter­neh­me­ri­schen Zwe­cken des Haupt­un­ter­neh­mens dient.

Die Hand­werks­ord­nung schließt nicht aus, dass ein Hand­werk an meh­re­ren Orten betrie­ben wird. Nicht aus­drück­lich im Gesetz gere­gelt ist die Fra­ge, ob und unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen ein Hand­wer­ker in der­ar­ti­gen Fäl­len dem Gebot der Meis­ter­prä­senz unter­liegt. Vor­aus­set­zung hier­für ist, dass die Zweig­stel­le für sich betrach­tet einen Hand­werks­be­trieb im Sin­ne von § 1 Abs. 2 Satz 1 HwO dar­stellt und dort oder von dort aus Auf­trä­ge für hand­werk­li­che Arbei­ten ent­ge­gen­ge­nom­men und aus­ge­führt sowie die fer­tig­ge­stell­ten Wer­ke aus­ge­lie­fert wer­den [7]. Ande­rer­seits sind ein blo­ßes Mate­ri­al­la­ger, eine Auf­trags­an­nah­me­stel­le, eine Stel­le zur Orga­ni­sa­ti­on des Arbeits­ein­sat­zes und eine rei­ne Ver­kaufs­stel­le nicht als hin­rei­chend eigen­stän­dig in die­sem Sin­ne anzu­se­hen, weil sol­che Orga­ni­sa­ti­ons­tei­le nicht für sich betrach­tet – die Merk­ma­le eines Hand­werks­be­trie­bes erfül­len [8].

Aller­dings ist bei der Prü­fung, ob eine hand­werk­li­che Zweig­stel­le vor­liegt, nicht dar­auf abzu­stel­len, ob die wei­te­re Betriebs­stät­te die Vor­aus­set­zun­gen einer Zweig­nie­der­las­sung im Sin­ne des § 14 GewO erfüllt. Auch die übri­ge inne­re Orga­ni­sa­ti­on des Unter­neh­mens mit Zweig­stel­len ist nicht aus­schlag­ge­bend. Des­we­gen hin­dern die wirt­schaft­li­che Abhän­gig­keit sowie die Erle­di­gung der kauf­män­ni­schen und per­so­nel­len Ange­le­gen­hei­ten durch den Haupt­be­trieb die erfor­der­li­che Eigen­stän­dig­keit der Zweig­stel­le nicht. Wei­ter kommt es nicht dar­auf an, ob die Zweig­stel­le bei Fort­fall des Haupt­be­trie­bes ohne die vom Haupt­be­trieb erle­dig­ten Tätig­kei­ten als eige­ner Hand­werks­be­trieb fort­be­stehen könn­te, ins­be­son­de­re ob sie über eine aus­rei­chen­de wirt­schaft­li­che Grund­la­ge ver­fü­gen wür­de. Uner­heb­lich ist schließ­lich, ob die Zweig­stel­le auf­grund von Ver­trä­gen, die die Zen­tra­le geschlos­sen hat, nur für bestimm­te Kun­den tätig wird [9]. Der Umstand, dass der genutz­te Raum nicht den Ein­druck eines voll aus­ge­stat­te­ten Geschäfts­lo­kals ver­mit­telt, ist daher ohne Bedeutung.

Es kommt auch nicht dar­auf an, ob sich die bei­den Betrie­be im Bezirk der­sel­ben Hand­werks- kam­mer oder in Bezir­ken unter­schied­li­cher Hand­werks­kam­mern befin­den. Ent­schei­dend ist, ob der Betriebs­lei­ter inner­halb weni­ger Minu­ten vor Ort sein kann.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 16. Juni 2016 – I ZR 46/​15

  1. NdsOVG, GewArch 1993, 422; VGH Bad.-Württ., GewArch 1993, 74; Bay­O­bLG, GewArch 1993, 424[]
  2. BGH, Urteil vom 11.07.1991, GRUR 1992, 123, 125 = WRP 1991, 785 – Kachel­ofen­bau­er II[]
  3. BVerwG, Beschluss vom 06.08.1996 – 1 B 38/​96, Buch­holz 451.45 § 2 HwO Nr. 9[]
  4. BVerwG, Urteil vom 19.08.1986 – BVerwG 1 C 2.84, Buch­holz 451.45 § 2 HwO Nr. 7[]
  5. vgl. dazu Honig/​Knörr aaO § 3 Rn. 2 mwN[]
  6. BVerwG, Buch­holz 451.45 § 2 HwO Nr. 7; Bay­O­bLG, NVwZ 1983, 701; OLG Düs­sel­dorf, GewArch 1983, 269[]
  7. vgl. BVerw­GE 95, 363, 366[]
  8. BVerw­GE 95, 363, 366[]
  9. BVerw­GE 95, 363, 367[]