Die Sanierung eines feuchten Kelleranbaus

Der mit der Sanierung eines feucht­en Keller­an­baus beauf­tragte Unternehmer schuldet als funk­tionalen Erfolg die Her­stel­lung eines trock­e­nen Kellers. Das gilt auch dann, wenn die Feuchtigkeit nicht auf die zunächst angenomme­nen Ursachen zurück­zuführen ist. Der mit Sanierung beauf­tragte Unternehmer darf davon aus­ge­hen, dass die bei der Errich­tung des Bauw­erks gel­tenden anerkan­nten Regeln der Tech­nik beachtet wur­den. Stellt der Unternehmer während der Aus­führung fest, dass das zu sanierende Bauw­erk nicht entsprechend den bei Errich­tung gel­tenden anerkan­nten Regeln der Tech­nik errichtet wor­den ist, muss er den Besteller darauf hin­weisen.

Die Sanierung eines feuchten Kelleranbaus

Mit dieser Begrün­dung gab jet­zt das Ober­lan­des­gericht Celle der Klage ein­er Hau­seigen­tümerin statt, die den Bau­un­ternehmer auf Zahlung eines Vorschuss­es auf die Kosten der Män­gelbe­sei­t­i­gung in Anspruch genom­men hat­te:

Die Klage ist als Vorschussklage zuläs­sig. Der Werkun­ternehmer kann in der Regel der Vorschussklage ent­ge­genset­zen, dass die Män­gelbe­sei­t­i­gung gar nicht beab­sichtigt ist. Dies ist hier jedoch nicht der Fall. Die Hau­seigen­tümerin ist nicht gezwun­gen, die Vorschussklage umzustellen, wenn die Maß­nah­men nach ihrer Ansicht noch nicht abgeschlossen sind. Soweit der Unternehmer mit den Ein­wen­dun­gen gegen die Zuläs­sigkeit ein­er Vorschussklage ein­wen­den will, dass die Hau­seigen­tümerin entsprechend abzurech­nen habe, so muss er diesen, dem Auf­tragsrecht zu ent­nehmenden Abrech­nungsanspruch gel­tend machen. Seinen Aus­führun­gen ist jedoch nicht zu ent­nehmen, dass er eben dieses begehrt.

Das Ober­lan­des­gericht Celle geht auf­grund des unwider­legten Vor­brin­gens der Hau­seigen­tümerin, dass noch nicht abgerech­net wer­den könne, davon aus, dass die Vorschussklage weit­er­hin berechtigt ist. Der Unternehmer mag seinen Abrech­nungsanspruch gegenüber der Hau­seigen­tümerin, der auch zunächst auf Auskun­ft der bish­eri­gen Kosten geht, gel­tend machen. Für die Zuläs­sigkeit der Vorschussklage spielt dies indes keine Rolle.

Darüber hin­aus beste­ht auch das Fest­stel­lungsin­ter­esse hin­sichtlich des Fest­stel­lungsantrages.

Es ist ein­er Vorschussklage, die nur die voraus­sichtlichen Män­gelbe­sei­t­i­gungs-kosten berück­sichtigt, imma­nent, dass daneben auch bere­its fest­gestellt wer­den kann, dass die darüber hin­aus­ge­hen­den Kosten zu erset­zen sind.

Das Fest­stel­lungsin­ter­esse scheit­ert nicht daran, dass die Hau­seigen­tümerin nahezu abrech­nen kann. Es han­delt sich bei der Sanierung des Objek­tes im Hin­blick auf Schim­mel um ein dur­chaus langfristiges Phänomen, was allein die Tat­sache zeigt, dass erst zwei Jahre nach Fer­tig­stel­lung sich entsprechende Schä­den zeigten. Dem­nach kann unab­hängig von der Abrech­nungsreife ein Fest­stel­lungsin­ter­esse der Hau­seigen­tümerin nicht verneint wer­den.

Die Hau­seigen­tümerin hat gegen den Unternehmer auch einen Anspruch aus §§ 634 Nr. 2, 637 Abs. 3 BGB auf Ersatz der voraus­sichtlich aufzuwen­den­den Kosten der Män­gelbe­sei­t­i­gung.

Das Werk des Unternehmers war man­gel­haft. Dabei berück­sichtigt das Ober­lan­des­gericht, dass die Hau­seigen­tümerin an den Unternehmer mit dem Auf­trag, den feucht­en Keller zu sanieren, herange­treten ist. Ausweis­lich der Anlage K 1 war ihm auch bewusst, dass die Innen­wände feucht waren und eine umfassende Feuchteprob­lematik beste­ht. Soweit er ein­wen­det, dass dies nur die Keller­außen­wände von innen bet­rifft, so erscheint dies mehr als fern­liegend. Nach dem objek­tivem Empfänger­hor­i­zont und auch den eige­nen Fest­stel­lun­gen des Unternehmers, näm­lich, dass die Innen­wände bis 1, 50 m hoch nass waren, lässt sich dies dem Ange­bot und der Analyse nicht ent­nehmen. Mit dem Unternehmer ist davon auszuge­hen, dass er zunächst auch bei der Auf­tragserteilung davon aus­ge­hen kon­nte, dass der Bau entsprechend den damals gel­tenden anerkan­nten Regeln des Handw­erks mit ein­er entsprechen­den Hor­i­zon­talsperre aus­ges­tat­tet ist. Da er die umfassende Feuchteprob­lematik analysiert hat, die bere­its nach sein­er Anlage K 1 nicht allein in ein­er Über­schwem­mung lag, denn für diesen Fall hätte eine ver­tikale Abdich­tung der Außen­wände keinen Zweck gehabt, war ihm bekan­nt, dass er umfassend zu prüfen hat­te. Bere­its nach seinem eige­nen Vor­trag hat er eine Boden­ab­dich­tung in der Fläche vorgenom­men und diese lediglich an die Wände her­an- und nicht hochge­führt. Er hat sie damit ger­ade nicht über die erste Stein­lage hin­weg ver­tikal an den Wän­den hochge­führt. Nach eigen­em Vor­trag ist er davon aus­ge­gan­gen, dass eine Hor­i­zon­talsperre vorhan­den war. Wenn er aber eine Hor­i­zon­talsperre in Mörtelform annahm, so hätte er zumin­d­est den ver­tikalen Anschluss bis zur ver­muteten Hor­i­zon­talsperre her­an­führen müssen. Ihm war auch bewusst, dass die Innen­wände bis auf eine Höhe von 1, 5 m “klitschnass” waren. Der Unternehmer hat insoweit angegeben, dass das Vorhan­den­sein ein­er Hor­i­zon­talsperre von ihm nicht über­prüft wor­den ist, zumal eine punk­tuelle Über­prü­fung keine 100 %ige Sicher­heit geben würde.

Soweit der Unternehmer gel­tend macht, dass es lediglich um die Sanierung eines Wassere­in­bruch­es ging, der durch die fehlende Anschlussfuge zwis­chen Anbau und Alt­bau erfol­gte, und dass dem­nach nur ste­hen­des Wass­er in den Wän­den hochge­zo­gen sei, so ver­fängt dieser Ein­wand nicht. Eben­falls ver­fängt nicht, dass weit­ere Mit­bi­eter ein­hel­lig von hochziehen­der Feuchtigkeit aus­gin­gen. Zum einen belegt das Hochdrück­en durch eine Anschlussfuge im Keller­bere­ich deut­lich, dass es eine Prob­lematik im Hin­blick auf von unten auf­steigen­des Wass­er gab. Zwar kon­nte der Unternehmer auf­grund der Aus­sage, es han­dele sich um WU-Beton bzw. eine weiße Wanne, davon aus­ge­hen, dass dies zunächst den Tat­sachen entsprach. Indes ergibt sich allein daraus, dass er auch eine ver­tikale Abdich­tung der Außen­wände anbot, dass ins­ge­samt eine Feuchteprob­lematik durch das Erdre­ich bestand. Durch die Lage des Grund­stücks in ein­er Senke, war dies für den Unternehmer auch augen­fäl­lig.

Mit dem Auf­trag war daher ein funk­tionaler Erfolg – trock­en­er, bewohn­bar­er Keller – geschuldet. Zwar ist mit dem Unternehmer davon auszuge­hen, dass er zunächst das Vorhan­den­sein der Hor­i­zon­talsperre als gegeben annehmen durfte. In dem Moment, wo er jedoch keine sicht­bare Sperre ent­deck­en kon­nte, war es seine Auf­gabe, das Vorhan­den­sein ein­er Hor­i­zon­talsperre zu klären. Dies hat er nicht getan. Er hat darüber hin­aus auch keine Hochführung der Flächen­ab­dich­tung an den Bere­ich der ggf. nur ver­muteten Hor­i­zon­talsperre vorgenom­men. Mit dem Landgericht ist daher davon auszuge­hen, dass eine Aufk­lärung den Unternehmer nur insoweit ent­lastet hätte, wenn er umfan­gre­ich über die fehlende Klärung ein­er Hor­i­zon­talsperre, den damit ver­bun­de­nen Risiken und ein­er möglichen von unten auf­steigen­den Feuchte aufk­lärt. Nach sein­er Anhörung sowie nach sein­er eidesstat­tlichen Ver­sicherung hat er aber lediglich darüber aufgek­lärt, dass möglicher­weise eine Hor­i­zon­talsperre dort sein kann, er es aber nicht wisse. Damit hat er ger­ade nicht über alle notwendi­gen Punk­te aufgek­lärt, die die Hau­seigen­tümerin in die Lage ver­set­zt hät­ten, eine sachgerechte Entschei­dung zu tre­f­fen. Insoweit kommt es auch nicht auf die Vernehmung des Zeu­gen H. an, weil – unbeschadet der Tat­sache, dass dieser ger­ade einen konkreten Hin­weis nicht bekun­den kon­nte – schon nach dem eige­nen Vor­trag des Unternehmers das­jenige, auf das er hingewiesen hat, nicht aus­re­ichend war, um der Hin­weis- und Bedenkenpflicht, die nach § 4 Abs. 3 VOB/B (so diese wirk­sam ein­be­zo­gen wurde) zudem hätte schriftlich erfol­gen müssen, zu genü­gen.

Dem Unternehmer ist damit vorzuhal­ten, dass er den entsprechen­den umfassenden Hin­weis und die umfassende Beratungspflicht, die aus seinem Wis­sensvor­sprung fol­gen, ger­ade nicht vorgenom­men hat. Er hat es aber auch unter­lassen, selb­st für den Fall, dass der Hin­weis zumin­d­est in der abgeschwächt­en Form erteilt wurde, dem­nach schriftlich Bedenken anzumelden, weil durch eine fehlende Hor­i­zon­talsperre eine kom­plette Sanierung wegen von unten drück­ender Feuchtigkeit nicht erre­ich­bar ist.

Es ist auch davon auszuge­hen, dass das Werk des Unternehmers man­gel­haft ist. Bere­its das Schadens­bild des sich aus­bre­i­t­en­den Schim­mels kurz ober­halb der Sock­elfliesen bzw. ‑leis­ten an sämtlichen Innen­wän­den belegt, dass die Innen­wände ein­er Feuchte­be­las­tung unter­liegen. Dies ist nicht übere­inzubrin­gen mit einem Schadens­bild, wie es bei unsachgemäßer Lüf­tung zu erwarten gewe­sen wäre. Soweit darauf abgestellt wird, dass falsches Nutzungsver­hal­ten vor­liegt, so mag dies ggf. noch für die Schim­melfleck­en eine Erk­lärung sein, es erk­lärt indes nicht, warum sowohl der Estrich, als auch das ver­putzte Mauer­w­erk, als auch der Putz, als auch die Rohsohle nass ist. Dies spricht für von unten drück­ende Feuchtigkeit, die nach dem Auf­trag der Hau­seigen­tümerin ger­ade zu beseit­i­gen war. Bei falschem Lüf­tungsver­hal­ten hätte ins­beson­dere an den Stellen, an denen eine Zirku­la­tion nicht möglich ist, ein ver­mehrter Schim­me­lauf­trag sein müssen. Dies sind ins­beson­dere sämtliche betrof­fene Außen­wände, soweit diese im Erdre­ich liegen und mit Möbeln ver­stellt sind. An reinen Innen­wän­den wäre Schim­mel infolge der Durch­wär­mung von bei­den Seit­en in der Regel nicht zu erwarten. Genau dies kon­nte der Sachver­ständi­ge, aber auch der Unternehmer selb­st, ausweis­lich der Anlage 5 zum Ergänzungsgutacht­en nicht fest­stellen. Dass das Werk des Unternehmers man­gel­haft ist, ergibt sich überdies aus den Bauteilöff­nun­gen zum einen an ein­er Innen­wand, zum anderen an ein­er Außen-/In­nen­wan­decke. Bei­de Bauteilöff­nun­gen haben unab­hängig voneinan­der ergeben, dass sowohl das Mauer­w­erk, als auch der Estrich, als auch der Putz und die Rohsohle feucht sind. Dies mag ggf. zu erk­lären sein, wenn an den jew­eili­gen Stellen Wassereimer aus­gekippt wor­den sind, jedoch erk­lärt dies nicht, dass dies an bei­den Stellen unab­hängig voneinan­der iden­tisch vor­liegt. Insoweit ist es zwar auch möglich, dass ein Feuch­teein­trag über die Dusche erfol­gte. Dieser würde aber, weil allen­falls die defek­te Silikonfuge den Wassere­in­trag ermöglichen kann, nicht die Betrof­fen­heit sämtlich­er Innen­wände und auch der Außen­wände erk­lären. Insoweit müsste davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass let­ztlich das gesamte Duschwass­er von mehreren Per­so­n­en über Wochen kom­plett auf die Rohsohle entleert wird, was nicht anzunehmen ist, wenn lediglich in den Fliesenfu­gen nicht durchgängig aus­ge­bildete Silikon­ab­dich­tungsfu­gen defekt sind. Zudem wäre zu erwarten, dass der Schim­mel im Bere­ich des Aus­tritts bis zu den ent­fer­n­teren Bere­ichen abn­immt.

Das Ober­lan­des­gericht kann sich daher der Auf­fas­sung des Unternehmers, dass die fehlende Hor­i­zon­talsperre nicht ursäch­lich für den Schaden ist, nicht anschließen. Das Prob­lem der auf­steigen­den Feuchte ist allein dadurch belegt, dass direkt ober­halb des sicht­baren Bere­ichs der Schim­mel begin­nt. Für die von dem Unternehmer behaupteten Schim­melschä­den durch fehler­hafte Lüf­tung ist dies ger­ade nicht charak­ter­is­tisch. In diesem Falle hät­ten die Wände jew­eils großflächig z. B. hin­ter den Schränken befall­en sein müssen, wenn diese an Außen­wände platziert sind. Darüber hin­aus hätte sich ver­mut­lich in der Lai­bung sowie in den Rau­mauße­neck­en Schim­mel abge­set­zt. Dies ist durchgängig nicht der Fall, vielmehr find­et sich der Schim­mel an den Innen­wän­den knapp ober­halb des Estrichs bzw. ober­halb der Sock­elleiste. Zwar mag man mit dem Unternehmer davon aus­ge­hen, dass ein entsprechen­der Schaden sich auch bei auf­steigen­der Feuchtigkeit her­rührend von der Dusche zeigen musste. In der Zusam­men­schau begrün­det aber ein Feuch­teein­trag durch die Dusche auf der Rohsohle ger­ade nicht, dass auch die Außen­wände nass sind.

Ob der Putz auf der Beton­sohle auf­ste­ht oder nicht, ist let­ztlich ohne Belang, weil die auf­steigende Feuchte sich über das Mauer­w­erk seinen Weg auch durch den Putz sucht. Es beste­ht eine umfassende Feuchteprob­lematik, die auch die Außen­wände und die Beton­sohle bet­rifft.

Soweit der Unternehmer weit­ere Ein­wen­dun­gen gegen den Sachver­ständi­gen sowie sein Vorge­hen erhebt, greifen diese nicht durch. Zwar kann man mit dem Pri­vatgutachter D. davon aus­ge­hen, dass dur­chaus einzelne Teile wie z. B. der Schim­mel auf dem Kork durch Wis­chwass­er oder Kon­den­sat­feuchte ent­standen sind. Es erscheint auch möglich, dass Feuchte im rück­wär­ti­gen Wand­bere­ich zur Dusche von den undicht­en Fugen her­rührt. Let­ztlich mögen diese Einzelpunk­te wider­leg­bar sein, sie sind es indes in der Zusam­men­schau nicht. Denn wed­er Wis­chwass­er noch Kon­den­sat­feuchte noch ein Ein­trag über die Dusche erk­lären das umfassende Schadens­bild an sämtlichen Innen­wän­den sowie die Feuchte der Außen­wände. Die von dem Gutachter D. vorge­bracht­en Ein­wen­dun­gen beziehen sich vielmehr auf punk­tuelle Schim­melschä­den, um die es vor­liegend jedoch auf­grund des Schadens­bildes ins­ge­samt nicht geht.

Auch die Ein­wen­dun­gen zu den Messver­fahren greifen nicht durch. Zwar ist es dur­chaus möglich und ins­beson­dere bei dem Ter­min im Som­mer nicht auszuschließen, dass Kon­den­sat­feuchte vorhan­den war. Dies erk­lärt jedoch nicht, warum sowohl bei dem Win­tert­er­min, als auch bei dem Som­mert­er­min nahezu die gle­ichen Mess­werte erre­icht wur­den. Auch ein Kon­den­sat auf der Rohsohle ist nicht erk­lär­lich. Es ist bere­its nicht nachvol­lziehbar, dass sich in ein­er soeben erfol­gten Bauteilöff­nung, die zudem nicht die gle­iche Tem­per­atur wie das Erdre­ich haben dürfte, weil sie sich im Über­gang zum Bau befind­et, eine durchgängige Kon­den­sat­feucht­eschicht bildet, zumal die einzel­nen Bauteile z. B. ger­ade wegen der Estrichdäm­mung bzw. wegen des Über­gangs des Wand­putzes unter­schiedliche Ober­flächen­tem­per­a­turen haben. Es wäre daher zu erwarten, dass tat­säch­lich auf der käl­testen Ober­fläche Feuchte aus­fällt, nicht indes – so der Vor­trag des Unternehmers – auf allen.

Dabei geht das Ober­lan­des­gericht Celle davon aus, dass die ver­wen­de­ten Mess­son­den nur einen rel­a­tiv­en Mess­wert ergeben. Sie kön­nen daher im Ver­hält­nis zur jew­eili­gen Rohdichte des gemesse­nen Mate­ri­als jew­eils nur eine Aus­sage darüber tre­f­fen, ob das Mate­r­i­al trock­en, sehr trock­en, nass oder sehr nass ist. Eine quan­ti­ta­tive Bes­tim­mung, wie viel Feuchtigkeit auf einem Kubik­me­ter vorhan­den ist, ist damit nicht möglich. Dies ist aber auch nicht notwendig, weil eine Zusam­men­schau der ver­schiede­nen Messpunk­te sowie die Tat­sache, dass die Mes­sun­gen an bei­den Ter­mi­nen jew­eils nahezu iden­tis­che Werte ergeben haben, davon auszuge­hen, dass sie zumin­d­est in rel­a­tiv­er Abhängigkeit die Trock­en­heit oder die Feuchte der Wände bele­gen.

Das Ober­lan­des­gericht verken­nt nicht, dass die Aus­führun­gen zu Störun­gen, die durch met­allis­che Ein­schlüsse vorhan­den sind, nicht unberechtigt sind, jedoch ist hier bei der Ein­dringtiefe nicht davon auszuge­hen, dass sich dies auf die Messergeb­nisse aus­gewirkt hat. Zumal sich die Messergeb­nisse durch die im Sachver­ständi­gen­ter­min fest­gestellte Feuchte der Rohsohle und des Mauer­w­erks, wobei in let­zterem kein Stahl ver­ar­beit­et wurde, ins­ge­samt bestätigt haben.

Soweit der Unternehmer vor­bringt, dass das ver­wen­dete Messver­fahren nicht geeignet ist in dem Moment, wo ggf. Kon­den­sat­feuchte beste­ht, die Feuchte des zu messenden Objek­ts zu unter­schei­den. Dies kann let­ztlich dahin­ste­hen, weil der Unternehmer selb­st nicht vorträgt, dass im Bere­ich des sicht­baren Schim­mels Kon­den­sat­feuchte beste­ht. Vielmehr war der Putz dort ger­ade nicht feucht. Eine Kon­den­sat­feuchte erscheint zumin­d­est auch im Novem­ber 2008 mehr als fern­liegend. Darüber hin­aus beste­hen auch keine weit­eren Anhalt­spunk­te für andere Ursachen. Zwar ist mit dem Unternehmer davon auszuge­hen, dass ein Schaden unter­halb der Dusche mit einem entsprechen­den vielfachen Feuchtigkeit­sein­trag dazu führen kann, dass die Feuchtigkeit sich auf der Rohsohle verteilt und sodann in den jew­eils auf­ste­hen­den Wän­den durch die Kap­il­lar­wirkung auf­steigt. Dies belegt indes nicht das vor­liegende Schadens­bild, näm­lich dass auch die Außen­wände weit­er­hin feucht sind. Dort ist lediglich kein Schim­mel ent­standen, weil die Kli­mazell-Plat­ten diesen zunächst ver­hin­dern. Da aber das Gutacht­en ein­deutig ergeben hat, dass das auf­ste­hende Mauer­w­erk auch der Außen­wände feucht ist, belegt dies vielmehr eine ins­ge­samt beste­hende Feuchteprob­lematik. Dem Unternehmer hätte dies auch bere­its nach eigen­em Vor­brin­gen bewusst sein müssen. Auf­grund der beson­deren Lage des Grund­stücks in ein­er Senke, waren an die Bauw­erksab­dich­tung erhöhte Anforderun­gen zu stellen. Dementsprechend hat­te auch die Sanierung des Objek­tes diese beson­dere Lage zu berück­sichti­gen. Dass der Unternehmer dies nicht tat, ergibt sich allein daraus, dass er noch nicht ein­mal die Flächen­ab­dich­tung der Dich­tungss­chlämme ver­tikal bis zum ver­muteten Bere­ich des ggf. vorhan­de­nen Dich­tungsmör­tels hochführte.

Gegen den Sachver­ständi­gen beste­hen im vor­liegen­den Fall auch keine durch­greifend­en Bedenken. Sowohl der Sachver­ständi­ge als auch der Unternehmer sind davon aus­ge­gan­gen, dass eine Hor­i­zon­talsperre vorhan­den ist. Da im ersten Bege­hung­ster­min Bauteilöff­nun­gen nicht erfol­gten, ist dies auch nicht zu bean­standen. Auf­grund der Ein­wen­dun­gen, mit denen sich der Sachver­ständi­ge umfassend auseinan­derge­set­zt hat, wird deut­lich, dass der Sachver­ständi­ge nicht nur über die notwendi­ge Sachkunde ver­fügt, son­dern auch, dass er mit entsprechen­der Bauteilöff­nung die Ursachen umfan­gre­ich ermit­telt. Dabei hat sich der Sachver­ständi­ge auch mit den Angrif­f­en gegen den Inhalt des Gutacht­ens auseinan­derge­set­zt. Der Unternehmer muss sich auch darauf ver­weisen lassen, dass wed­er der Gutachter P., noch der Gutachter D. bei der Orts­bege­hung vor Ort waren. Darüber hin­aus hat ger­ade der Sachver­ständi­ge P. in sein­er gutachter­lichen Stel­lung­nahme S. 5 aus­drück­lich erk­lärt, dass anhand der Bild­doku­men­ta­tion ihm ein aus­re­ichen­des Bild zum Schaden­sum­fang ersichtlich war. Er hat sich darüber hin­aus damit befasst, dass hier eine Bauteilöff­nung zwin­gend ist, die der Sachver­ständi­ge sodann im weit­eren Ter­min auch vorgenom­men hat. Soweit der Gutachter P. sich ins­beson­dere gegen die Mess­meth­o­d­en richtet, so ist dies aus den vor­ge­nan­nten Grün­den nicht durch­greifend. Ins­beson­dere ist dem Ober­lan­des­gericht bekan­nt, dass mit entsprechen­den Feuchtemess­geräten anhand von Son­den eine Ein­schätzung ohne quan­ti­ta­tive Bes­tim­mung möglich ist. Ein­er solch­er bedarf es indes auch nicht, wenn sich ins­ge­samt ergibt, dass die Feuchte von unten mas­siv beste­ht.

Die Mes­sung, die der Sachver­ständi­ge vor­nahm, beruht auf dem Messprinzip des kapaz­i­tiv­en elek­trischen Feldes. Die Verän­derung des elek­trischen Feldes durch Mate­r­i­al und Feuchte wird im Mess­gerät erfasst, umgerech­net und man erhält die Feuchtew­erte als Dig­it-Ein­heit­en. Die Mes­sung ist damit nur eine rel­a­tive Mes­sung, d. h. es wird der Unter­schied zwis­chen dem trock­e­nen und dem feucht­en Baustoff angezeigt. Durch gelöste Salze kann der Baustoff zum elek­trolytis­chen Leit­er wer­den, wodurch sich höhere Kapaz­itätswerte ergeben kön­nen. Der Ein­wand des Unternehmers ist daher nicht ohne Berech­ti­gung, er greift indes nicht, weil die Werte hier nicht lediglich schwach ober­halb der Werte für die Baustoffe für nass liegen. Sie liegen vielmehr weit darüber im Bere­ich “sehr nass”, so dass diese Kapaz­ität des Dielek­trikums, d. h. der elek­trisch schwach- oder nichtlei­t­ende, nicht­met­allis­che Sub­stanz, sich nicht allein durch die Anwe­sen­heit von Salzen erk­lärt.

Ober­lan­des­gericht Celle, Urteil vom 16. Mai 2013 – 16 U 160/12

Die Sanierung eines feuchten Kelleranbaus