Die beim Über­fall geraub­te Kun­den­wa­re – und die nicht bestehen­de Versicherung

Ein Juwe­lier ist nicht gene­rell ver­pflich­tet, zur Repa­ra­tur oder zum Ankauf ent­ge­gen­ge­nom­me­nen Kun­den­schmuck gegen das Risi­ko des Ver­lus­tes durch Dieb­stahl oder Raub zu ver­si­chern, und – falls kein Ver­si­che­rungs­schutz besteht – hier­über den Kun­den aufzuklären.

Die beim Über­fall geraub­te Kun­den­wa­re – und die nicht bestehen­de Versicherung

In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall hat­te ein Kun­de der Juwe­lie­rin Schmuck im Wert von maxi­mal 2.930 Euro zur Repa­ra­tur bezie­hungs­wei­se Abga­be eines Ankaufs­an­ge­bots über­ge­ben. Anläss­lich eines Raub­über­falls auf das Juwe­lier­ge­schäft wur­den unter ande­rem die Schmuck­stü­cke des Kun­den ent­wen­det. Die Juwe­lie­rin war gegen die­ses Risi­ko nicht ver­si­chert, wor­auf sie den Kun­den bei Ent­ge­gen­nah­me der Schmuck­stü­cke nicht hin­ge­wie­sen hat­te. Der Kun­de nahm dar­auf­hin die Juwe­lie­rin Beklag­te auf Wert­er­satz der geraub­ten Schmuck­stü­cke in Anspruch.

Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Amts­ge­richt Winsen(Luhe) hat­te der Scha­dens­er­satz­kla­ge des Kun­den statt­ge­ge­ben [1], dage­gen hat auf die Beru­fung der Juwe­lie­rin das Land­ge­richt Lüne­burg die Kla­ge unter Auf­he­bung des amts­ge­richt­li­chen Urteils abge­wie­sen. Anders als das Amts­ge­richt sah das Land­ge­richt Lüne­burg eine Auf­klä­rungs­pflicht über den man­geln­den Ver­si­che­rungs­schutz als nicht gege­ben. Auf die Revi­si­on des Kun­den hat nun der Bun­des­ge­richts­hof das Urteil des Land­ge­richts Lüne­burg auf­ge­ho­ben und die Sache zur neu­en Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Land­ge­richt zurückverwiesen:

Ein Juwe­lier ist zwar gene­rell nicht ver­pflich­tet, zur Repa­ra­tur oder Abga­be eines Ankaufs­an­ge­bots ent­ge­gen­ge­nom­me­nen Kun­den­schmuck gegen das Risi­ko des Ver­lus­tes durch Dieb­stahl oder Raub zu ver­si­chern. Auf­klä­rungs­pflich­tig über den nicht bestehen­den Ver­si­che­rungs­schutz ist der Juwe­lier aller­dings dann, wenn es sich um Kun­den­schmuck von außer­ge­wöhn­lich hohem Wert han­delt oder der Kun­de infol­ge Bran­chen­üb­lich­keit des Ver­si­che­rungs­schut­zes eine Auf­klä­rung erwar­ten darf.

Einen außer­ge­wöhn­lich hohen Wert hat der Bun­des­ge­richts­hof vor­lie­gend ver­neint. Für die Beur­tei­lung der zwi­schen den Par­tei­en strei­ti­gen Fra­ge der Bran­chen­üb­lich­keit einer Dieb­stahls- oder Raub­ver­si­che­rung bei Juwe­lie­ren hat das Land­ge­richt aller­dings nicht die nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs erfor­der­li­chen Fest­stel­lun­gen getrof­fen und kei­nen Beweis erho­ben, was nun noch nach­ge­holt wer­den muss.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 2. Juni 2016 – VII ZR 107/​15

  1. AG Win­sen (Luhe), Urteil vom 30.09.2014 – 20 C 1350/​13[]