Alt­ge­sel­len­re­ge­lung – nur bei lega­ler Handwerkstätigkeit

Die Kennt­nis­se und Fer­tig­kei­ten, die ein „Alt­ge­sel­le“ in mehr­jäh­ri­ger selb­stän­di­ger Hand­werk­s­tä­tig­keit ohne die hier­für erfor­der­li­che Ein­tra­gung in die Hand­werks­rol­le erwor­ben hat, begrün­den kei­nen Anspruch auf Ertei­lung einer Aus­übungs­be­rech­ti­gung ohne Able­gung der Meis­ter­prü­fung. Das hat heu­te das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig entschieden.

Alt­ge­sel­len­re­ge­lung – nur bei lega­ler Handwerkstätigkeit

Nach § 7b der Hand­werks­ord­nung (HwO) hat ein Gesel­le nach mehr­jäh­ri­ger hand­werk­li­cher Tätig­keit, dar­un­ter vier Jah­re in lei­ten­der Stel­lung, einen Anspruch auf Ertei­lung einer Berech­ti­gung zur selb­stän­di­gen Aus­übung die­ses Hand­werks und Ein­tra­gung in die Hand­werks­rol­le ohne Able­gung der Meisterprüfung. 

In dem hier vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Fall stell­te der Gesel­le einen Antrag auf Ertei­lung einer sol­chen Aus­übungs­be­rech­ti­gung für das Maler- und Lackie­rer­hand­werk, den die Hand­werks­kam­mer ablehn­te. Die auf Ver­pflich­tung der Hand­werks­kam­mer zur Ertei­lung der Aus­übungs­be­rech­ti­gung gerich­te­te Kla­ge blieb vor dem Baye­ri­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hof erfolg­los [1]. Der Gesel­le habe das Maler- und Lackie­rer­hand­werk selb­stän­dig in einem Ein-Mann-Betrieb ohne die hier­für erfor­der­li­che Ein­tra­gung in die Hand­werks­rol­le aus­ge­übt. Eine sol­che ille­ga­le Hand­werk­s­tä­tig­keit erfül­le nicht die für eine Aus­übungs­be­rech­ti­gung des „Alt­ge­sel­len“ not­wen­di­ge Vor­aus­set­zung einer vier­jäh­ri­gen Aus­übung des Hand­werks in lei­ten­der Stel­lung. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt bestä­tig­te die­ses Urteil und wies auch die Revi­si­on des Gesel­len zurück: 

Der Baye­ri­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof hat zu Recht ange­nom­men, dass nur die lega­le Aus­übung eines Hand­werks auf der Grund­la­ge einer Gesel­len- oder ent­spre­chen­den Abschluss­prü­fung einen Anspruch auf Aus­übungs­be­rech­ti­gung begrün­den kann. Bei Berück­sich­ti­gung einer ohne die hier­für erfor­der­li­che Ein­tra­gung in die Hand­werks­rol­le aus­ge­üb­ten selb­stän­di­gen Hand­werk­s­tä­tig­keit wür­de ein fort­wäh­ren­der Anreiz geschaf­fen, den selb­stän­di­gen Betrieb eines zulas­sungs­pflich­ti­gen Hand­werks ohne Ein­tra­gung in die Hand­werks­rol­le und damit ohne die not­wen­di­gen Kennt­nis­se und Fer­tig­kei­ten auf­zu­neh­men, um eine spä­te­re Lega­li­sie­rung durch Ertei­lung einer Aus­übungs­be­rech­ti­gung zu errei­chen. Die damit ver­bun­de­nen Gefah­ren für die Gesund­heit Drit­ter woll­te der Gesetz­ge­ber eben­so wenig in Kauf neh­men wie eine Benach­tei­li­gung recht­s­treu­er Hand­werks­ge­sel­len. Mit der in Art. 12 GG gewähr­leis­te­ten Berufs­frei­heit ist es ver­ein­bar, Gesel­len als Vor­aus­set­zung einer Ein­tra­gung in die Hand­werks­rol­le auf die neben der Meis­ter­prü­fung bestehen­den Mög­lich­kei­ten der Aus­nah­me­be­wil­li­gung nach § 8 HwO oder des Nach­wei­ses aus­rei­chen­der Zei­ten der lega­len Gesel­len­tä­tig­keit für eine Aus­übungs­be­rech­ti­gung nach § 7 b HwO zu verweisen.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 13. Mai 2015 – 8 C 12.2014 -

  1. BayVGH, Urteil vom 19.03.2014 – 22 B 13.2012[]